Nun sind wir also an der letzten Station unserer Reise angekommen. Gegen Ende hat nicht alles so sein sollen, wie geplant, aber ich befuerchte das passiert fast jedem Traveller in diesem Land. Meine Erkaeltung in Pushkar wurde zu einer Magen-Darm-Grippe, die mich so abgeschossen hat, dass ich einen Arzt in unser Hotelzimmer bestellen musste. Aber dank indischer Medikamente und dem kompetenten Fachmann, bin ich wieder Gesund. Wir sind demnach nicht wie geplant nach Bundi gefahren, sondern haben weitere Tage in Pushkar verbracht. Von Ajmer sind wir dann Vorgestern per Superfast-train nach Delhi gefahren – Essen war inklusive, was Dani dazu bewegt hat, Non-Veg Essen zu bestellen (Ich ernaehre mich seit Tagen nur von Bananen). Et boum, c‘est le choc, nun ist sie seit zwei Tagen ans Bett gefesselt und behaelt nichts was sie konsumiert. Heute ist aber der erste Tag, an dem es ihr besser geht.
Habe somit gestern auf eigenen Fuessen unser Viertel erkundet und dabei ein paar Leute kennengelernt. Ein Medizinstudenten aus Newcastle, den ich umgehend von der guten Idee ueberzeugen konnte in Newcastle ein Brown Ale zu trinken, so bald ich Lars Philip besuche. Mit einem Ami habe ich mich Abends nochmal auf ein Bier getroffen: er war erst ein Jahr als Fallschirmspringer im Irak stationiert und reist nun seit fuenf Monaten durch Laender wie Somalia, Aserbaidschan, Irak, Pakistan, uvm… Viele unglaublich interessante Geschichten und Fotos! Sein Ziel ist es, ein Guidebook rauszubringen, was auf Tips fuer Verhalten in Krisengebieten spezialisiert ist.
Ansonsten ist Delhi einfach zu riesig. Zu viele Menschen auf einem Haufen. Zu viele Touristen – die meisten nicht so offen wie die, die ich getroffen habe und wiedertreffen werde. Habe die Zeit in den nicht-touristischen Gebieten mehr geniessen koennen.
Morgen geht der Flug nach Hause: Werde Indien mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen. Das Land hat mich aber definitv gepackt, ich wuerde gerne wiederkommen, um den Norden/Himalaya und Nepal zu sehen. So eine Reise praegt einen fuers‘ Leben und ich bin froh so viele indische und internationale Freunde gefunden zu haben.
Muss wieder zurueck ins Hotel und nach Dani schauen. Werde die meisten Leser ja bald wiedersehen!
Wir sind immernoch in Pushkar, seit fuenf Tagen. Eigentlich wollten wir schon in Agra gewesen sein, um das Taj Mahal zu sehen und danach weiter in den Himalaya zu fahren. Es ist das erste Mal, dass der Monsun uns einen Strich durch die Rechnung macht – denn weite Teile des Nordens sind durch heftigen Regen vom Militaer gesperrt worden. Darunter auch unser Ziel, von dem der Wetterbericht sagt, das dort die naechsten fuenf Tage „Thunderstorms“ zu erwarten sind. Ausserdem bin ich seit gestern Abend etwas am rumkraenkeln: von 42 auf 35 Grad scheint genug Temperaturabfall zu sein, das ich nun eine Erkaeltung habe. Da kommt es reichlich ungelegen, das heute vier Mal am Tag Powercut war, fuer jeweils mind. eine Stunde. Dann liegt man in seinem heissen Zimmer rum und kann nichts machen. Aber dennoch ist Pushkar ein Ort an dem wir gerne mehr verweilen als urspruenglich geplant. Wir haben ein gemuetliches Restaurant gefunden, in dem wir Stammkunden geworden sind. Haben uns mit dem indischen Besitzer angefreundet, der die meiste Zeit des Jahres in der Schweiz lebt und einen lustigen indo-schweizerischen Akzent spricht! Das Restaurant, Mango-Tree genannt, ist eine gruene Oase, in der man unter Palmen in Korbstuehlen chillen kann und dabei gute Pizza aus dem Steinofen isst und frisch-gepressten Orangensaft trinkt.
Pushkar (14000 Einw.) ist eine friedliche Stadt und sehr bedeutend fuer Hindus. Es gibt den einzigen Brahma-Tempel auf der Welt, einen heiligen See der von Badestellen umgeben ist und in dem die Asche Ghandis verstreut wurde und generell viele Tempel. Gestern war der Geburtstag von Ganeisha, einem der drei Hauptgoetter der Hindus. Grund genug fuer die Inder einen Jahrmarkt am Ganeisha-Tempel zu veranstalten. In Indien scheint es normal zu sein, dass kleinere Riesenraeder per Muskelkraft bewegt werden: dazu stehen mindestens zwei juengere Inder in dem Geruest und halten das Rad auf abenteuerliche Weise in Bewegung.
Haben im Hotelrestaurant einen weiteren Freund gefunden. Nakul hat uns vor drei Tagen spontan zu sich nach hause eingeladen, wo wir von der Mutter bekocht wurden.
Morgen fahren wir nach Bundi, als Alternative fuer Mussorie im Himalaya. Es soll ebenfalls eine schoene Kleinstadt sein, abseits der touristisch ueberlaufenen Plaetze. Bin wie immer gespannt eine neue Stadt zu erleben.
Wueste. 42 Grad. Fuer mich viel zu heiss…
Allerdings bietet Bikaner die Moeglichkeit Kamelsafaris zu machen – und das haben Dani und ich gestern auch wahrgenommen. Wir wurden am spaeten Nachmittag per Jeep zu einem Dorf etwa 15 km von Bikaner entfernt gebracht, wo zwei Kamele mit Fuehrern auf uns warteten. Den Begriff Wuestenschiff versteht man erst, wenn man einmal die Gelegenheit hatte auf einem Kamel zu sitzen! Aber es macht wirklich Spass, vor Allem in der einsamen Landschaft, die wie eine Mischung aus afrikanischer Steppe und indischer Wueste nach dem Monsun wirkte. Gazellen sprangen durch die Landschaft und hin und wieder kamen wir an Einheimischen vorbei, die in selbstgebauten Holzhuetten leben. Nach zwei Stunden waren wir am Ziel: einem Zufluchtsort mitten im Nichts, wo schon zwei Paare aus Frankreich und England auf uns warteten, um gemeinsam das frisch gekochte indische Essen bei Sonnenuntergang zu geniessen. Sogar mit traditioneller indischer Musik zweier Inder, die bis in die Dunkelheit schraeg-schoene Musik spielten. Der Rueckweg war ebenfalls ein Highlight, sternenklarer Himmel mit wunderschoener Milchstrasse, was ich alles schaukelnd auf meinem Kamel Toni geniessen konnte.
Nicht ganz so romantisch war unser Ausflug von dem wir gerade wiedergekommen sind: ein hinduistischer Rattentempel. Geschaetzte 2000 Ratten in einem verdreckten Tempel, die angeblich verfluchte, als Ratten wiedergeborene Geschichtenerzaehler sind. Und Inder zeigen ihre Anerkennung, in dem sie ihnen Milch und Snacks opfern und sie anbeten. Eine einmalige Erfahrung, die, Gott sei Dank, auch nicht lange waehrte.
Heute Nacht geht es per Bus nach Pushkar, wo wir hoffentlich bei milderen Temperaturen ein wenig ausspannen koennen. Bei mir produziert die Hitze eine gewisse Muffeligkeit – Dani kommt damit wunderbar klar (mit der Hitze und der Muffeligkeit).
Jodhpur, die blaue Stadt am Rand der Tar-Wueste. Unsere erster Aufenthalt bei einem Couchsurfer, der in dem Meherangard-Fort, auf einem Berg ueber der Stadt, Tourguide ist. Er und seine Familie haben uns warmherzig aufgenommen. Seine beiden Kinder, 2 und 4 Jahre alt, scheinen es zu geniessen Couchsurfer ganz fuer sich in Anspruch zu nehmen.
Eines haben wir gelernt: man braucht bei indischen Veranstaltungen viel Geduld. Zum einen waren wir in Udaipur beim Geburtstag von Krishna, einer der drei Hauptgoetter, auf einer feierlichen Veranstaltung vor dem Tempel, bei dem verschiedene Teams versuchen in einer Pyramidenform einen Krug mit Milch zu erreichen, der etwa 10 m ueber dem Boden schwebt. Aber bevor es dazu kam, gab es etwa 3 Stunden Programm a la Bollywood – Gesang, Tanz, Ehrung der VIPs, usw… Das ganze zwischen Indern eingequetscht. Zum anderen waren wir gestern mit der Familie unseres Couchhosters in einer Mischung aus Vorschule und Kindergarten, die einen Tag der offenen Tuer veranstaltet haben. Eine sehr skurile Angelegenheit! Und ebenfalls aeusserst langwierig… Kleinkinder-Modenschau und Preise fuer das schoenste, kluegste, aktivste und beste Baby… Es war schwer auszuhalten ernst zu bleiben, denn uns wurden VIP-Plaetze aufgezwungen, die jeder sehen konnte.
Ansonsten ist Couchsurfing eine gute Gelegenheit um unsere Kochkenntnisse zu verfeinern. Denn wir haben in Udaipur die Gelegenheit wahrgenommen einen Kochkurs zu besuchen, bei dem wir drei verschiedene Curry-Gerichte, einen Chai-Tee, einen Himalaya-Tee und Chapati-Brot zubereitet haben.
Heute Abend fahren wir nach Bikaner, in die Wueste – in der Absicht dort auf Kamelsafari zu gehen und zwei, vll drei Tage zu bleiben.
Das Internetcafe in dem wir gerade sind, wird uebrigens gerade per Generator mit Strom versorgt. Denn jeden Tag wird in Jodhpur fuer jeweils zwei Stunden zwei Mal am Tag der Strom abgeschaltet.
Gestern sind wir in Udaipur angekommen – unsere erste Stadt in Rajasthan. Es ist gleich ein ganz anderes Gefuehl hier zu sein, denn alles ist viel touristischer. Es scheint gut zu sein, dass wir die ersten zwei Wochen naeher an den Einheimischen verbringen konnten. Dafuer ist die Stadt wunderschoen! Wir haben ein Hotelzimmer mit Blick auf den See und die Palaeste, teile der Altstadt und die Berge im Hintergrund. Der Tag heute ware der erste gewesen an dem sich Lars Philip wohl gefuehlt haette: der Monsun-Regen haette jede irische Wiese vor Neid erblassen lassen und die Temperaturen gehen deutlich runter! Haben unsere Zeit genutzt um den prunkvollen Palast anzuschauen und den ersten guten Cappuccino in Indien getrunken.
Wir gehen gleich zum Schneider und holen meinen massgeschneiderten Anzug aus Rohseide ab, den wir gestern bei unserer Shopping-Odyssee in Auftrag gegeben haben. Dani hat sich fuenfzigtausend Handtaschen, zwei Hosen und zwei Oberteile gekauft… Freue mich auf den Kochkurs morgen frueh, bei dem wir lernen drei verschiedene Currys und zwei Chai-Tees zu machen.
Wir haben uns uebrigens dazu entschieden, unsere Tour etwas zu aendern und einen Abstecher zu den Auslaeufern des Himalaya zu machen. Dafuer werden wir Jaipur und Delhi weitesgehend streichen.
Ich finde es uebrigens schoen, dass so viele unseren Blog lesen und positive Rueckmeldung geben. Mir jedenfalls macht es viel Spass zu berichten, was uns bewegt.
PS: Das indische Paerchen, dass wir auf Diu Island kennengelernt haben: der Mann hiess doch tatsaechlich Moin!! Und war eine indischer Hypochonder, der keine fuenf Minuten ausserhalb von Klimaanlagen verbringt und neues Handwaschwasser ordert, wenn das alte zu kalt ist. Aber ich habe ihm mehr als deutlich gemacht, wie geehrt ich mich fuehle jemanden zu treffen, dessen Vorname Moin ist… :)


